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Türkische Wirtschaft präsentiert sich stark

Posted by MINROGROUP on 07/08/2021
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Den Unternehmen am Bosporus geht es besser als erwartet.

Istanbul. Wenn die Pandemie eine Branche global so richtig erwischt hat, dann wohl die Luftfahrt. Die türkische Fluglinie Turkish Airlines überrascht dennoch mit einem Gewinn im ersten Quartal, obwohl Analysten mit roten Zahlen gerechnet hatten. Bei vielen anderen Unternehmen am Bosporus sieht es ähnlich aus.

Auch dem Rest der türkischen Wirtschaft schien es Anfang dieses Jahres gut zu gehen. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes ist im ersten Quartal um sieben Prozent gewachsen, wie das Türkische Statistikinstitut (Tüik) am Montag bekannt gegeben hat. Analysten hatten mit 6,3 Prozent gerechnet. In den USA wuchs die Wirtschaft im selben Zeitraum um 6,4 Prozent, während die deutsche Wirtschaft um 1,8 Prozent schrumpfte.

Auch im Vergleich zum Vorquartal Ende 2020 wuchs die türkische Wirtschaft noch einmal um 1,7 Prozent. Damit setzt die Volkswirtschaft am Bosporus ihren Trend vom Pandemiejahr 2020 fort, alle G20-Länder außer China beim Wirtschaftswachstum hinter sich zu lassen. Viele Unternehmen im Land meldeten überraschend gute Quartalszahlen.

Der Start ins neue Pandemiejahr fiel allerdings für zahlreiche Unternehmen prächtig aus. Getrieben von einem kreditfinanzierten Wachstumsprogramm der Regierung unter Staatschef Recep Tayyip Erdogan blieb die Kauflaune vieler Türkinnen und Türken bis in den Winter hinein hoch.

Der türkische Immobilienmarkt bildete sichere Preise und steikt weiterhin, während der darbende Tourismus immerhin von einer Heerschar aus- und inländischer Touristen profitierte. Auch die Nachfrage nach Haushaltsgütern, Autos und Elektronikartikeln erholte sich nach dem Covid-bedingten Dämpfer schnell wieder.

Der Konsum stieg laut Tüik um 7,4 Prozent, während die Investitionen im Land um 11,4 Prozent zulegten. Die ausländische Nachfrage nach türkischen Gütern und Dienstleistungen stieg ebenfalls an: Während die Exporte im ersten Quartal um 3,3 Prozent stiegen, sanken die Importe um 1,1 Prozent.

Hohe Nachfrage, hohe Nettogewinne

Dieser Trend zeigt sich in den Zahlen türkischer Unternehmen. Der türkische Lufthansa-Konkurrent Turkish Airlines meldete für das erste Quartal in diesem Jahr ein Nettoeinkommen in Höhe von 438 Millionen Lira (44 Millionen Euro). Analysten hatten mit einem Verlust von 235 Millionen Lira gerechnet. Im Vorjahreszeitraum hatte Turkish Airlines noch zwei Milliarden Lira verloren, als das neuartige Coronavirus Mitte März 2020 den weltweiten Flugverkehr lahmgelegt hatte.

Der türkische Ford-Produzent Ford Otosan hat seinen Nettoprofit zwischen Januar und März verdreifacht und liegt damit 25 Prozent über den Erwartungen der Analysten. Vor allem unerwartet hohe Exporte sollen viele Devisen in die Kassen des Joint Ventures gespült haben. Auch der Telekom-Dienstleister Turkcell steigerte sein Nettoergebnis um 27 Prozent und das Ebitda um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Glashersteller Sisecam konnte sein Nettoergebnis sogar verdreifachen. Der Reifenhersteller Brisa steigerte sein Nettoergebnis um 270 Prozent, bei einer Ebitda-Marge von 27 Prozent. Der Baukonzern Tekfen steigerte seinen Nettoprofit um 776 Prozent, während sich das Betriebsergebnis (Ebitda) mehr als verfünffacht hat.

Türkische Exporte: Günstiger als die Konkurrenz

Die türkischen Unternehmen haben von hohen Auftragseingängen profitiert, kommentiert Alper Kanca vom Verband der Automobilzulieferer (Taysad). Das liegt an der angezogenen weltweiten Konjunktur, die sich im Winter langsam, aber sicher an den Corona-Rhythmus gewöhnt hatte. „Das hat die Umsätze türkischer Unternehmen beflügelt.“ Die Industrieproduktion in der Türkei zog Anfang des Jahres um elf Prozent an.

Dass die Türkei davon im Speziellen profitieren kann, dürfte daran liegen, dass Waren und Dienstleistungen aus dem Land auf den Weltmärkten derzeit günstig zu haben sind.

Von der erhöhten wirtschaftlichen Aktivität haben auch Finanzdienstleister profitiert. Die Garanti Bank, an der die spanische BBVA beteiligt ist, meldete einen Quartalsprofit von 2,529 Milliarden Lira (256 Millionen Euro), mehr als 50 Prozent höher, als Analysten erwartet hatten, und 55 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Der Return on Equity stieg von 7,3 Prozent im Vorquartal auf jetzt 16,1 Prozent.

Auch Banken profitieren von dem Aufschwung

Analysten etwa von Oyak machen für das starke Plus vor allem Handelsgewinne und Gebühreneinnahmen durch Transaktionen verantwortlich.

Deutsche Wirtschaft: Importe aus der Türkei sind wichtig

Vor allem der weltweite Chipmangel dürfte auch die türkische Wirtschaft treffen. Ford Otosan hatte im April bereits mehrere Wochen die Werke schließen müssen, weil nicht genügend Schaltteile geliefert werden konnten. „Das wird die Produktionszahlen im zweiten Quartal drücken“, fürchtet Kanca. Auch die deutsche Wirtschaft wäre davon betroffen, wenn türkische Zwischengüter nicht rechtzeitig in der deutschen Endproduktion ankommen.

Bericht Handelsblatt August 2021